My Kind of Town: Chicago is!

Nach der Sonnenfinsternis fahren wir zurück nach Champaign. Das bedeutet: zurück nach Norden. Und zwar mit allen, die einen Ausflug hin zur totalen Sonnenfinsternis gemacht haben. Wir stehen im Stau. Und kommen irgendwann doch an. Nach dem kurzen Stop in Champaign ist Chicago an der Reihe.

Diese Stadt wird, so stellen wir schnell fest, unsere Lieblingsstadt der Reise. Nicht, weil das Apartment so schön ist. Das war L.A. Hier liegt unser Apartment in einem sehr alten Haus in einer alten, sehr grünen Nachbarschaft. Einkaufen geht man in eine Genossenschaft, die organische Nahrungsmittel erzeugt. Man kann nachhaltig essen und Genuss laufen in den vielen alten und neuen Parks der Nachbarschaft. Wie New York hat Chicago eine Highline: 2,6 Meilen alte Eisenbahntrasse sind zum „Park“ für Läufer und Radlfahrer ausgebaut worden. Damit ist die Highline hier doppelt so lange wie in New York City, ein Faktum, das stolz überall publiziert wird.

Unsere Lieblingsstadt ist Chicago auch nicht wegen der Sehenswürdigkeiten. Es gab in San Francisco mehr zu sehen und zu erleben. Chicago ist einfach sympathisch. Die Stadt hat Wolkenkratzer wie New York City, ist aber viel sauberer. Es gibt Strände mitten in der Stadt, die sind frei zugänglich und haben den Vorteil, an einem Süßwassermeer zu liegen. Denn wir ein See fühlt sich Lake Michigan nicht an. Hier in Chicago kann man gut durchatmen, weil immer der Wind geht und Smog gar nicht aufkommen kann. Architektur und Stadtentwicklung sind allgegenwärtige Themen. Der Chicago River, vor zwanzig Jahren noch ungesund und wenig beachtet, ist heute DIE lebendige Ader der Stadt. Am Riverwalk, dem Uferweg, der mittlerweile für Neu- und Altbauten vorgeschrieben ist, tummeln sich Spaziergänger und legen die Boote für Stadtrundfahrten ab. Das öffentliche Verkehrssystem ist erstaunlich günstig und auch der Zoo, den die Girls mit Romana am Freitag besuchen, ist kostenlos und offen für alle.

The Total Eclipse at the Mighty Mississippi

Picknick im gleissenden Licht der Sonne, die sich zu Mittag für 1:40 Minuten hinter dem Mond versteckte. Ich beobachtete das Schauspiel von der Fähre aus in der Mitte des Mississippi. Unser Spot lag bei St. Genevieve in Missouri bzw. dann doch wieder am Ufer in Illinois. Zusammen mit einer internationalen Runde schauten wir gegen den Himmel – und hatten Glück: die Wolken gaben den Blick zur perfekten Corona frei. Leider waren ich und meine Kamera damit überfordert. Schöne Bilder von der Corona gibt es bei der NASA. 😉

Die Kids waren vom Schlamm des Mississippi begeistert. Kaum, dass wir sie danach raus bekommen konnten.

Typisch amerikanisch Frühstücken

Das beste an St. Louis ist der Diner, den wir am nächsten Morgen Gott sei Dank für das Frühstück finden: Auf dem Weg zu unserem Spot für die Sonnenfinsternis frühstücken wir im Courtesy Diner an der legendären Route 66 standesgemäß amerikanisch und ausgiebig. Missouri, der vierte Bundestaat, den wir ein bisschen kennenlernen, ist wieder ganz anders als Illinois. Wir fahren durch traditionelle Gegenden, sehen viele Kriegerdenkmäler und Armeeeinrichtungen. Alles scheint noch ein bisschen langsamer zu funktionieren als anderswo.

Ein Abstecher nach St. Louis

Der zweite Teil unserer Reise beginnt in Chicago. Wir holen uns nach einem erstklassigen, weil gefühlt sehr kurzen Flug von L.A. das zweite Auto, einen Mercedes und machen uns sofort auf den Weg raus aus der Stadt, die noch unsere Lieblingsstadt in der USA werden wird. Über Champaign fahren wir nach St. Louis am Mississippi. Den Gateway Arch sehen wir von Weitem und aus der Nähe.

Schlussendlich: Hollywood

An einem der faulen Tage fahren wir zu Mittag los. Stau auf dem Highway nach Los Angeles. Unser Google-Handy weiß immer, wo wir sind. Und wohin wir wollen. Diesmal geht es so nah wie möglich an das Hollywood-Zeichen heran. Wir nähern uns langsam, das Auto windet sich die schmalen Straßen auf die Hügel von Hollywood. Vom Canyon Lake Drive hat man, laut Internet-Empfehlungen, die besten Sicht auf den Schriftzug, wenn man nicht hinwandern will. Zum Wandern fehlt uns an diesem Tag der Geist. Es ist zu heiß und die Zeit schon weit fortgeschritten in den Nachmittag. Also reicht der Blick aus dem Auto und ein kurzer Stop dort. wo alle stehen bleiben.

Der Hollywood Boulevard, der berühmt-berüchtigte Walk of Fame, ist unser nächstes Ziel. Und das enttäuscht. Hier prallen Arm und Reich unmittelbar aufeinander. Wir sehen so viele Verrückte, wie nie zuvor auf unserer Reise. Wir könnten mit Schlagen schmusen und mit Spiederman – leider nur auf der Straße – fliegen. Elif kauft eine Sonnenbrille. Wir freuen uns, wenn uns ein Name auf den Sternen im Gehsteig an tolle Kino- oder Fernsehstunden erinnert. Dabei fällt auf, dass es schwer ist, für Jung und Alt gleichmaßen Bekannte zu finden. Und wir essen nach Las Vegas zum zweiten Mal im Hard Rock Café wieder einmal typisch amerikanisch.

Living is easy in Buena Park, Großraum L.A.

Es war das Highlight unserer Reise, was die Wohnungen betrifft: In Buena Park, einer der vielen Gemeinden rund um Los Angeles, beohnten wir unser eigenes Haus, drei Klos, zwei Badezimmer und Netflix auf drei Screens. Romana und ich gaben uns die erste Staffel der Enterprise, inklusive der allerersten Folge noch mit völlig anderer Besetzung als bekannt. Die Kids schauten ihre eigenen Filme. Die Pazifikküste lag nicht weit entfernt, und – das ist noch wichtiger 🙂 – Disneyland befand sich quasi um die Ecke. Nur nach Hollywood und dem ikonografischen Highlight unserer Tour mussten wir ein bisschen weiter fahren.

In der Wohnung, die ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann, haben wir gekocht, gegrillt und gechillt. Das Gemeinschaftspool der Siedlung war auch nicht zu verachten. Und einmal schnallte ich die Laufschuhe an, nur zu einem in der Nähe gelegenen Park. Ich wollte gar nicht glauben, dass ich mich in einem Schachbrettmuster an Straßen in den Entfernungen so verschätzen konnte. Die kurze Strecke auf google maps waren dann doch gleich einige Meilen.

Ride the Movies: Universal Studios Hollywood

Am Donnerstag ist es soweit: Wir fahren zum zweiten Vergnügungspark, den wir den Girls versprochen haben. Anders als in Disneyland bietet Universal mehr Abwechslung. Wir verlieren uns in mehreren Movies und ihren Universen.

Zuallererst ist Harry Potter und Hogwarts an der Reihe: Für den ersten Ride, der direkt in der Zauberschule stattfindet, stellen wir uns zwei Stunden an. Und das lohnt sich. Denn wir reisen mit Flohpulver in das Potter-Universum, reiten Harry auf seinem Besen in einem Quiddich-Spiel nach und müssen uns von ihm retten lassen, als wir von Dementoren angegriffen werden. Beeindruckt steigen wir aus und begeben uns in das Örtchen Hogsmeade, essen und lassen die Girls zaubern. Mit ihrem eigenen Zauberstab natürlich. Elif hat sich den von Hermine, Alina den von Sirius Black ausgesucht.

Weiters stehen Dreamworks, die Simpsons, Jurrasic Park und die Minions auf unserem Programm. Dafür bleiben wir wieder, bis es dunkel ist. Und müssen noch über eine Stunde wieder zurück in unser Apartment fahren. Ich wäre ja am liebsten dort geblieben. Romana will allerdings am nächsten Tag für einige andere Highlights von L.A. fit sein. Das wird eine andere Geschichte.